Neulich ….. beim Klinkenputzen

von danielanderson1502

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie gezwungen sind, der Beschäftigung des Klinkenputzens nachzugehen, für das findige Personalchefs irgendwann die euphemistische Bezeichnung ‚Intitiativbewerbung‘ erfunden haben. An sich ein mitunter recht frustrierendes Tagewerk. Meistens erhält man ja doch nur Absagen, sofern man überhaupt eine Antwort bekommt. Dabei ist es fast schon egal, ob man virtuelle Klinken oder physisch vorhandene mit seinen Händen säubert.

‚Dem Tüchtigen steht die Welt offen‘, pflegte meine Großmutter sel. immer zu sagen, wahrscheinlich hatte sie irgendwann ausgeblendet, dass die Welt aus lauter Türen besteht, die in 99,99% aller Fälle verschlossen bleiben.

Ich war also in der so wunderbar kulturell vielfältigen Bundeshauptstadt auf der Suche nach einer Location, in der ich meinen kleinen Abend „Männer und ihre Peinlichkeiten“ einer breiteren oder auch schmaleren Öffentlichkeit vorstellen könnte. Es handelt sich dabei um eine Reihe fiktiver Männermonologe, in denen die Quasiautoren in der ersten Person (singular) ihre Gedanken zum besten geben. Die Texte sind obszön, nachdenklich, politisch inkorrekt, zum Schenkelklopfen geeignet und auch verzweifelt, also von allem etwas, ein Strauß bunter Ein- und Aussichten aus Männerperspektive. Nein, keine verspätete, maskuline Antwort auf die ‚Muschimonologe‘ von Eve Ensler, lediglich ein Abbild männlicher Weltsicht. Ich war guter Hoffnung mit dem kleinen Ensemble sprachgewaltiger Schauspieler und Sprecher schnell eine Lokalität zu finden, zumal alle Beteiligten keine, wie auch immer geartete Entlohnung in Anspruch nehmen wollten. Auch entsprechende Werbung, Flyer, Einladungen an Presse, Programmzettel etc. wollte ich selbst übernehmen.

Um eine lange Geschichte kurz zu erzählen – ich habe nichts gefunden. Neben der stetig wachsenden Frustration, also der Beobachtung, wie sich meine Gemütsverfassung mit jeder neuen Absage verändert, waren die Begründungen der Absagen das eigentlich interessante daran. Sofern sie mitgeteilt wurden, wie schon gesagt, es gehört ja inzwischen zum guten Ton, überhaupt nicht mehr auf ‚Initiativbewerbungen‘ zu reagieren.

Hier also die Top 10 der Ablehnungen:

Platz 10:
„Sorry, Herr Anderson, wir sind bis Jahresende 2013 ausgebucht.“

Platz 9:
„Oh, an sich sehr schön, aber wenn hier gelesen wird, können wir in der Zeit ja nichts verkaufen.“

Platz 8:
„Sehr interessant. Aus feuerpolizeilichen Gründen müssen wir aber davon Abstand nehmen.“

Platz 7:
„Das ist mir zu schweinisch.“

Platz 6:
„Könnt ick mir nur schwer vorstellen, weil ditt is‘ ja janz ohne Musike. Tut mir leid, ohne Musike machen w’r ditt nich.“
(Auf meinen Vorschlag, dass ich bestimmt noch jemanden finde, der vielleicht den ganzen Abend mit einem Saxophon oder Gitarre oder beidem zusammen untermalt, winkte man ab: „Hamwer schon jenuch jehabt“)

Platz 5:
„Ich muss um Verständnis bitten, dass wir solche Veranstaltungen wirklich nur sehr ausgewählt durchführen. Eigentlich nur zu kirchlichen Feiertagen.“ (Es handelte sich dabei um einen Laden in Kreuzberg, in dem umgekehrte Kruzifixe an der Wand hingen.)

Platz 4:
„Die Texte gefallen mir. Ich habe sie meinem Freund vorgelesen und wir haben sehr gelacht, aber hier bei uns im Laden hört sowieso keiner zu.“

Platz 3:
„Wer soll denn das vorlesen? Ist da irgendjemand prominentes dabei? Also da musste dir schon jemand suchen, den man so kennt aus’m Fernsehen oder so, sonst kannste das vergessen hier, machen wir nicht.“

Platz 2:
„Meine Fresse, das ist ja mal ’ne schöne Idee. Ich hätte da auch noch eine Geschichte von ’nem Freund von mir. Dem ist folgendes passiert, der ist tatsächlich an ’nem Bankautomaten ausgeraubt worden. Das muss man sich mal vorstellen, am helllichten Tage und dann als die Polizei kam, war natürlich keiner mehr da, die sind ja gleich weg. Waren irgendwelche aus Russland oder so und wie dann mein Freund nach Hause kam, war er natürlich völlig am Ende mit den Nerven, …, …, …, aber nee, so sind deine Geschichten ja gar nicht, Du musst mal was schreiben, was so richtig aus’m Leben ist, nee, das ist nix für hier.“

Platz 1:
„Tut mir wirklich sehr leid, aber unser Publikum hier ist einfach zu oberflächlich, die würden das gar nicht verstehen.“

Vielleicht hätte ich doch gleich einen Kostenvorschlag aus der Tasche ziehen sollen, denn, wie meine Großmutter sel. auch immer sagte: ‚Was nix kostet, ist nix wert.‘