DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich ….. beim Nachdenken

von danielanderson1502

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie mal die Gelegenheit haben, ein wenig nachzudenken. Beispielsweise darüber, was unbedingt noch erfunden werden müsste auf dieser Welt. Ob Sie dann tatsächlich zu Ergebnissen kommen? Mir passiert das manchmal, einfach so.

Ich meine mit Erfindungen nicht so etwas großes wie eine Weltfriedensmaschine, die immer sprudelnde Energiequelle, die ultimative Waffe gegen den Hunger auf der Welt (das Brot, das nie zu Ende geht und stets frisch bleibt), oder den in jedes Schicksalsschloss passenden Nachschlüssel. Nein, diese hehren Dinge zu erfinden haben wir ja schon an den ‚Allmächtigen‘ delegiert. Der lässt sich allerdings verdammt viel Zeit damit, wie ich finde. Nein, ich meine etwas ganz praktisches, etwas, was unsere spezielle Lebenssituation in diesem einen Moment sofort so positiv und nachhaltig verbessert, dass wir tatsächlich für eine Weile zufriedener, glücklicher sind.

Eine Reihe berühmter Kollegen von mir, hat da bereits ein paar Vorschläge gemacht. Ephraim Kishon beispielsweise fragte öffentlich, warum es keine Tassen für Linkshänder gibt. Oder kleine Plastikschuppen, die sich jeder auf den Kopf oder die Schultern streuen kann. Auch wollte er eine Maschine, die auf das Feld fährt, die Erde pflügt, eggt, Kartoffeln sät, erntet, schält, kocht und auch gleich isst.
Oder mein bester Freund Christoph, der sich jeden Tag einen automatisierten Redakteur, Producer, Produzenten wünscht. Man stopft oben ein Drehbuch rein und unten kommen praktikable Anmerkungen raus, mit denen man als Autor wirklich etwas anfangen kann. Bis jetzt, so sagt mein Freund, bekommt er lediglich Sätze wie diesen: „Das muss alles viel weicher (härter, schneller, langsamer, schöner, dunkler, heller). Und nun machen Sie mal.“

Gestern saß ich in meiner Tiefgarage fest. Während ich auf den Hausmeister wartete, wünschte ich mir, dass mal jemand ein wirklich praktisches Auto erfindet. Es soll natürlich elektrisch angetrieben werden, klare Sache. Es soll unendlich CO2-neutral sein und in dem es, anstatt solcher Apparate, die nun wirklich kein Mensch braucht (wie beispielsweise eine Anzeige für die Außentemperatur), eine eingebaute Kaffee- und Teemaschine gibt. Da wir ja nicht mehr Sprit tanken müssten, könnten die Tankstellen zu Kaffeetankstellen umgerüstet werden. ‚Kaffee to go‘ würde ‚Kaffee to drive‘. ‚Fair Trade‘ würde ‚ARAL‘, ‚ESSO‘ und all die anderen Halsabschneider und Umweltschweine übernehmen. Ich sage nur: ‚Blühende Landschaften‘, die noch dazu nach frisch gebrühtem Kaffe riechen.

Oder was für ungeahnte Glücksgefühle könnte es auslösen, wenn endlich mal was gegen die ‚Aufschieberitis‘ erfunden würde – gegen die eigene und gegen die von Behörden, Chefs, Regierungen. So ein praktisches Ding, das man in der Tasche mit sich rumträgt und das erst aufhört zu nerven, wenn man die dringlichen Sachen erledigt hat – Abgabetermine einhalten, Rechnungen nicht erst bezahlen, wenn der Mann mit dem Kuckuckskleber klingelt, Werkstatttermine, Zahnarztkonsultationen, scheintote Beziehungen hinrichten und dergleichen unangenehme Sachen mehr. Der Knoten im Taschentuch, der noch meine Oma immer an die Dringlichkeiten erinnert hat, funktioniert in Zeiten vom TEMPO und SOFTIES nicht mehr so wirklich gut. Eigentlich müssten die Krankenkassen so was mal anregen. Eine App fürs Handy wäre mal was. Denn, wer immer Dinge vor sich herschiebt, lebt ausgesprochen stressig und irgendwann klopft das Burn-Out an die Tür – ich weiß, wovon ich rede. Im Falle von Regierungen wäre der Begriff ‚Reformstau‘ ein aussterbendes Wort.

Ich würde mir auch gerne so ein Solidaritäts- und Zivilcouragetool wünschen. Das käme bei den Leuten besonders gut zur Anwendung, die stets ganz weit das Maul aufreißen und deren Sätze immer mit „Müsste man nicht mal…“ beginnen. Die, die denken, sie hätten mit Fragenstellen schon genug geleistet und sich ansonsten in ihren Musentempeln verschanzen und auf das Gewürm weit unter ihrem intellektuellen Niveau herabblicken: Nee, ich geh‘ doch nicht auf die Straße, das soll mal schön der Plebs machen.

Oder wie wäre es mal mit einer Resettaste für wildgewordene Banker? Hinten unter dem Haaransatz, bei Glatzenträgern unterm Krawattenknoten, bei den Damen dieser Gilde als modische Ohrringe in verschiedenen Designs. Bei Gefahr, dass sie mit unser aller Zukunft anfangen rumzuspielen, indem sie wieder mal mit Kohle zocken, die ihnen nicht gehört und so die Welt an den Rand des Ruins treiben, rückt eine Taskforce aus, die denen mal ganz schnell Manieren beibringen. Ganz oben auf der Liste: Hilmar“Peanuts“ Kopper (Deutsche Bank), Richard „Lord Voldemort“ Fuld (Lehmann Brothers), Georg „Mordor“ Funke (Hypo Real Estate) und gerade vorgestern in eine erlauchte Spitzenposition aufgerückt: Jamie „Ork“ Dimon (JP Morgan), der mal eben so nebenbei 2 Mrd. Dollar verbrannt hat, die ihm natürlich auch nicht gehört haben.

Auch bei den natürlichen Verbündeten der Bankerkaste, den Politikern, könnte diese Erfindung sehr hilfreich sein. Was das an Kohle einsparen würde, die man dann nicht mehr für frühzeitige Pensionen oder Ehrensolds ausgeben müsste, sondern in die Forschung nach nützlichen Erfindungen stecken könnte – nicht auszudenken.
So mancher Skandal hätte verhindert werden können, angefangen bei Wulff, um mal ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit zu nennen („Im Landtag hätte ich sagen sollen, es ist zwar nicht nach Frau Geerkens gefragt worden, nach Herrn Geerkens, seinen Firmen und Unternehmungen, da habe ich keine Beziehung. Aber ich räume hier ein, dass ich eine Beziehung zu Frau Geerkens habe.“), über Engholm und Barschel („Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“), bis hin zu Heinrich Lübke („Sehen Sie mal zu, dass Sie in die EWG kommen, aber ohne England“ – was der dänische Botschafter 1968 mit dieser Information anfangen sollte, bleibt Heinrichs Geheimnis).

Bei manchem allerdings wäre wohl auch ein solches Reset vergeblich gewesen. Ich denke da an Honecker („Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf“), an Mielke („Ich liebe — Ich liebe doch alle — alle Menschen — Na, ich liebe doch — Ich setzte mich doch dafür ein.“), an Krenz („Wie Felix Edmundowitsch schon gesagt hat: Ein Revolutionär braucht einen kühlen Verstand, ein heißes Herz und saubere Hände.“) und Konsorten. Vom Anstreicher, Sadam oder Osama will ich erst gar nicht anfangen zu reden. In diesen Fällen hätte wohl nicht mal der Wertstoffhof der Berliner Stadtreinigung die letzte Alternative sein können, allesamt nur noch Sondermüll.

Wenn bei einem der Politikerhirnis auf der Festplatte im Oberstübchen mal wieder korrupte Files das System abstürzen lassen wollen, kommt er, oder auch sie, zum rebooten. Dort wird dann auch gleich mal das neueste Update der Demokratiesoftware aufgespielt und schwuppdiwupp braucht man keine Rücktritte mehr fürchten. Zur Probe, einfach um zu sehen, ob die Software funzt, werden die Kollegen Politiker dann mal für ein paar Tage nach Jamel geschickt, das Nazidorf in Meck-Pomm wäre der ultimative Härtetest.
Es wundert mich in diesem Zusammenhang, dass die ‚Piraten‘ die Erfindung einer solchen Erfindung bis jetzt nicht in ihr halbgares Parteiprogramm aufgenommen haben. Aber, so wie sich das gerade entwickelt bei denen, brauchen die wohl als allererste so ein Reset.

Fallen Ihnen noch ein paar andere Nützlichkeiten ein? Schreiben Sie die ruhig mal auf.