DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich ….. Liebes-, Ehe-, Traum- und Powerpaare & deren Gegenteile

von danielanderson1502

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, wenn Sie mit glücklichen Paaren konfrontiert werden. Falls Sie selbst Teil einer glücklichen Paarbeziehung sind, wird das Glück der Gegenüber, egal, welcher sexuellen Disposition, höchst wahrscheinlich keine Rolle in Ihrer Gedankenwelt spielen. In einer idealen Welt werden Sie es sicherlich als gottgegeben hinnehmen und sich essentielleren Überlegungen, Gesprächen und Fragestellungen hingeben – der Eurokrise, dem seltsamen Erfolg der Piraten, den Spritpreisen, dem neuesten Erguss von Günter Grass, dem Friedensprozess im Nahen Osten, dem Todeskampf des Kapitalismus, dem Hunger in Afrika oder auch der zunehmenden Korruption in der sogenannten ‚ersten Welt‘.

Sind Sie jedoch NICHT in der komfortablen Situation, glücklich zu sein, entweder, weil Sie vielleicht Single sind oder in einer abgestorbenen oder gerade sterbenden Beziehung leben, wird sich, wie von selbst, die Frage nach dem WARUM in ihrem Kopf ausbreiten. WARUM sind die beiden so glücklich, beziehungsweise, WARUM sehen die wenigstens so aus? Und die Antworten auf diese Fragen werden niemals zufriedenstellend sein können.

Im Freundeskreis oder in der Familie schließt man damit recht schnell ab, nimmt es als ‚gottgegeben‘ hin, freut sich (oder auch nicht) mit den ewig dümmlich Grinsenden und wünscht sich für sich selbst auch mal dieses verfluchte Glück, vielleicht. Ach ja, die Petra und ihr Hans-Jürgen, das ist schon ein nettes, wundervolles Paar, dem ich gerne mal die Reifen des Scheißfamilienkombis zerstechen würde.

Die Strategien, sich über das Glück der anderen hinwegzutrösten, sind natürlich verschieden wie die Menschen selbst. Tonnen von essayistischen Büchern und unzählige Romane sind diesem Phänomen beziehungsweise der Reaktion darauf schon gewidmet worden. Sie tragen so ansprechende Titel wie „Pärchen verpisst euch“, „Scheißpaare in den Abgrund“ oder auch „Turtelt ruhig weiter, die Toten werden am Schluss gezählt.“ Abendfüllende Spielfilme beschäftigen sich damit, Pärchen und die Reflexe darauf sind Gegenstand universitärer Forschungen der Soziologie, der Kommunikationswissenschaften und der Philosophie und schließlich die unzähligen Popsongs – angefangen von den Beatles („Savoy Truffle“) bis Adele („Someone like you“) und Gotye (Somebody That I Used To Know), um nur mal 3 sehr bekannte Tracks zu nennen.

Vielleicht begibt man sich auf die exzessive Jagd nach einem exzessivem One-Night-Stand, um wenigstens die Illusion für ein paar Stunden zu haben, andere gründen Vereine, Gruppen zur Selbsthilfe oder sublimieren mit so wundervollen Unternehmungen wie exzessivem Yoga, exzessivem Schreiben, exzessivem Malen, exzessivem Singen in Chören oder auch exzessivem Cafésitzen. Gerade bei letzterer Tätigkeit blättert man dann in Zeitschriften, die die Welt nicht braucht und demzufolge auch kein bisschen besser machen, im Gegenteil.

Man stößt in dem schreiend bunt bedruckten Papier auf Paare, die ihr Paarsein in den Status einer GmbH & Co KG erhoben haben. Das sind dann die, denen man gern das Attribut ‚Traumpaar‘ verleiht.

Allen voran Angelina „Ich kann um die Ecke schießen“ Jolie & Brad „Ich lass mich zuwachsen“ Pitt – der allgemein bekannte Ausdruck „Branjolina“ ist die Königskrone im illusteren Kreis der Markenpaare. Dahinter reihen sich dann David „Unterhose“ & Victoria „Size Zero“ Beckham und Katie „Windschief“ Holmes & Tom „Scientology“ Cruise ein, die es sogar vermocht haben, ihre dreijährige Tochter schon perfekt in die Firma zu integrieren, inklusive eigener Stylistin und persönlicher Assistentin, die die Termine der kleinen Suri koordiniert.

Ganze Staaten leben von der allgegenwärtigen Präsenz der EheLiebesPowerTraumpaare – wenn man nur mal an das Operettenfürstentum Monaco (Fürst „Halbglatze“ Albert II. + Charlene), das Britische Empire (Prinz „Dumbo“ Charles + Camilla Parker „Bulldog“ Bowles) oder die Vereinigten Staaten von Amerika (Obama + 1st.Lady Michelle) denkt.

Selbst die Historie ist von allerlei illustren Paaren bevölkert, denen wir lustigerweise so manche freudevolle oder dunkle Anekdoten verdanken – Adolf „Rotzbremse“ Hitler + Eva „Dauerwelle“ Braun, Richard „Antisemit“ Wagner + Cosima „die Schreckliche“, Johann Wolfgang „Dichterfürst“ Goethe + Frau „Wie-grün-heute-wieder-alles-ist“ von Stein. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Allen ist jedoch eines gemeinsam: sie waren oder sind mächtig und betreiben die Familie (oder die Affäre) als Unternehmung, aus der sich Kapital schlagen lässt – welcher Art das auch immer sein mag. Liebe ist nicht ausgeschlossen, aber meistens doch irgendwie hinderlich.

Daneben tummeln sich immer mehr deutsche Paare, die sich was von dem Yellow-Press-Kuchen abschneiden wollen: Carsten „Heuschrecke trägt Pornobart“ Maschmeyer und die Geheimwaffe des deutschen Fernsehens Veronika „blond, blonder, am blondesten“ Ferres, „Münchhausen“ Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg nebst Gattin Stephanie Anna Charlotte Freifrau von und zu Guttenberg, Till „Clint-Eastwood-nuschelt-warum-darf-ich-das-denn-nicht“ Schweiger mit Ex Dana und neuer Flamme Melanie „Patchwork“ Scholz.

Wir erleben bei dieser A-, B- und C-Klasse der Paarunternehmungen die ersten, zarten Annäherungen, offizielle Stellungnahmen werden zu Agenturmeldungen verwurstet, in Talk-Shows nutzen liebeskranke Stars öffentlichkeitswirksam die Gästecouch als Trampolin, es werden Verlobungsgeschenke (1 Karat blau-weiß in 700er Gold gefasst von Bulgari, Wert ca. 10000 Dollar) als verwackelte Paparazzifotos präsentiert. Hochzeiten und Kindstaufen verkauft man an den meistbietenden Fernsehsender, man erlebt den drolligen Ehealltag via Dokusoap, wenn beispielsweise der frischgebackene Ehemann, von der frischgebackenen Ehefrau anbefohlenen halsbrecherischen Tätigkeiten wie Staubsaugen nachgehen muss. Wir sind hautnah dabei, wenn, wie im Falle eines KT, der nichts richtig kann und trotzdem alles erreicht hat, Rücktritte wie Staatsbegräbnisse inszeniert werden – man denke auch an den vorletzten Bundespräsidenten, dessen Namen hier verschwiegen werden soll. Wir erleben die ersten Krisen mit der Macht von Naturgewalten über das eben noch strahlende Glück hereinbrechen, kennen jedes Detail schmutziger Rosenkriege und schließlich werden pompöse Ehebeerdigungen zelebriert wie bei Heulboje Sarah „brühe Deutschland“ Connor und kleinesdickliches Marc ‚Dont-Fuck-Your-Rock’n Roll-to-me‘ Terranzi: „Hiermit erkläre ich das Ende meiner Ehe“ (Sarah Connor als BILD-Aufmacher).

Auch die TV-Werbung hat das Familienunternehmen entdeckt und bricht es auf die „Backen-Beten-Bumsen“-Ideologie im bunten Kostüm scheinbar humoristischer Spots herunter:

http://www.youtube.com/watch?v=h33F7YDqXM4

Für alle mit unerfüllter Sehnsucht beladenen Kreaturen stellt sich der psychische Reflex des Mitleids oder der Schadenfreude ein, wenn mal wieder eine Familienfirma die Liebespleite vermelden muss. Und das scheint dann auch der Grund dafür zu sein, warum immer neue Allianzen geschmiedet und wieder aufgelöst werden. Uns wird schließlich vorgeführt, dass das Leben der Reichen, Schönen und ganz schön Reichen sich praktisch in nichts von unserem unterscheidet – hier wie da fließen Tränen, Unterhaltszahlungen müssen geleistet werden und der ganze bürokratische Apparat wird in Gang gesetzt. Ja, Berühmtsein schützt vor Unglück nicht, denkt man leichthin, die arme Frau, der arme Mann, das war aber auch ein schönes Paar. Es verschwindet von der Schmierenbühne in die Gasse und dann in die Kantine auf einen Absacker. Auftritt, die nächsten, bitte.

Und ganz manchmal schleicht sich vielleicht dann der Gedanke an eine Verschwörungstheorie in die letzte verbliebene Hirnwindung: Was, wenn das alles nur gefakt ist, damit wir nicht auf den dummen Gedanken kommen, dass die Banker schon wieder mit unserer Zukunft und der unserer Kinder Roulette spielen, damit wir vergessen, dass wildgewordene Heuschrecken uns auf einen ökonomischen Supergau zutreiben, damit wir nicht bemerken, dass wir auf einem ökologischen Pulverfass sitzen und die Lunte schon glimmt?

Ach, scheiß doch drauf, wird schon nicht so schlimm kommen, ich hätte gerne noch einen Latte, aber mit laktosefreier Milch und Süßstoff bitte.