DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich ….. beim Strahlkotzen.

von danielanderson1502

Ich kotze im Strahl! Dieser Strahl möge bitte die deutschen Filmförderungsstrukturen treffen und sie darin ersaufen lassen!

Hätte das deutsche Förderkino lebendige Eingeweide, man könnte in einem MRT lustige Krebsmetastasen in allen möglichen Farben, mal entsätigt, mal auch ganz schwarz/weiß sehen und immer tummeln sich dieselben Schauspieler auf dem Tanzplatz des Magnetfeldes!

Und wenn noch ein bisschen Kotze übrig bleibt, so möchte ich bitte auch gleich die sogenannte ‚Berliner Schule‘ in Richtung Gully spülen. Wer, bitte, soll sich diesen unemotionalen, verkopften Bockmist wie „Gold“ (Arslan) noch weiter anschauen? Mal von Petzolds „Barbara“ und „Die innere Sicherheit“ in Teilen abgesehen, wird uns von diesen Leuten ständig ein überalimentiertes Kino zugemutet, dass nicht in der Lage ist, Emotionen auszulösen, nein, man versucht sie sogar tunlichst zu vermeiden. Stattdessen werden wir stundenlang mit zynischer Bedeutungsschwangerei malträtiert. Man wünscht sich nur noch, dass es bitte möglichst schnell vorbei geht und man nach der Vorstellung nicht von irgendwem gefragt wird, wie man denn das Werk fand. Denn dann würde sich die ganze Wut über den Film und angesichts der anderen 300, andächtig im Betstuhl des Kinosessels verharrenden Zuschauer wirklich in einem Strahl Kotze entladen müssen.

Überhaupt – Liebe und Emotion scheinen in spektakulär mit Millionen geförderten deutschen Produktionen dieser Provinience Ekelkategorien zu sein, bloß nicht in den Verdacht kommen, dass man versucht hätte, so was aufkommen zu lassen  – Gott bewahre. Ich darf weder Mitleid noch Verachtung oder irgendeine Art von Empathie mit den Figuren spüren, die mir gefühlte Ewigkeiten zugemutet werden.

Ich liebe das Kino! Ich will, dass es mich gut unterhält UND in ein Dilemma stürzt, ich will Lachen UND Weinen, ich will in meinem Oberstübchen gefordert werden UND mein Herz soll sich zusammenkrampfen vor Gefühl. Ich gehe schon aus Solidarität in jeden deutschen Film und zahle gern an der Kasse meinen Obolus. Ich mag den so beschimpften Mainstream tausendmal mehr, weil sich hier, wie in den Geschichten von Lukas und Spielberg beispielsweise, zeigt, dass Ahnung von Dramaturgie, intelligentem Storytelling und Schauspiel(er)führung in der Lage ist, den Zuschauer am Schopf der Seele zu packen und ihn ordentlich durchzuschütteln. Die Raffinesse des Mythos und die Lakonik in den Geschichten von Antonioni, Godard, Casavetes oder auch Tarantino, Coppola, Emmerich und Dresen entlassen mich mit einem anderen GEFÜHL als Wut über überintellektualisierten, tonnenschweren Dumpfsinn aus dem Kinosaal. Und, sorry, die Filme der eben genannten Kollegen waren in der Lage, mit Anspruch viel Geld einzuspielen.

Ich lasse mich ab jetzt nicht mehr länger verarschen. Ich werde nicht mehr in diese Filme gehen, die mich seit 10 und mehr Jahren unendlich ärgern, nicht mal mehr aus Solidarität. Auch die Zeit, die man im Kino verbringt, ist Lebenszeit. Der Unterschied zwischen Filmen wie „Gold“ und beispielsweise „Schutzengel“ (Till Schweiger) ist der, dass Schweiger in seinem Bubble-Gum-Kino tatsächlich authentisch ist – viel Unterhaltung mit ein bisschen Message. Das ist okay, das ist ehrlich, das will nicht mehr sein, als es ist, das macht Spaß, hin und wieder soll laut gelacht werden und der Kitsch, der über die Leinwand wabert, darf zu Tränen rühren. In Filmen wie „Gold“ bleibt vor lauter unterschwelliger Message die Unterhaltung mal definitiv auf der Strecke, exekutiert von lauter Überambitionen und Scheinheiligkeit. Handlungsarmut wird zum Qualitätsmerkmal stilisiert und wer weint, ist ein Versager. Das Zuschauen wird zur Qual, die als Intensität missgedeutet wird.

Nein, ich hab die Schnauze gestrichen voll von diesem Zynismus der kompletten Spaßbefreiung, bei dem ich, vom riesengroßen Nichts geschlaucht, aus dem Kino wanke und weder irgendwie tief in meiner Seele ‚angefasst‘ wurde, noch mir irgendwas klarer geworden ist meiner Existenz. Ist es tatsächlich zuviel verlangt, zum Geier, dass ein Film seine Zuschauer ernst nimmt?

Die Konformität des Fernsehens, die Massenware, der uns wöchentlich überschwemmenden Flut aus Pilcher- und Lindströmerei, aus Hubschraubereinstellungen rund um das Traumschiff, aus endlosen Morden in den SOKOs und Tatorten (Deutschland ist ein wirklich gefährliches Pflaster scheinbar) ist dagegen lebensecht und zumindest über sehr weite Strecken handwerklich gut gemacht. Dagegen sind die Filme der ‚Berliner Schule‘ sehr viel näher an der ’scripted reality‘ (Berlin  – Tag und Nacht), nur das hier nichtssagende Anschreierei durch nichtssagendes Nichtssagen ersetzt wird und Binsenweisheiten zu Ideen gedrechselt werden.

Wo sind solche großartigen (Kunst-)Filme wie „Die Finanzen des Großherzogs Radikant Film“ (Linz) oder „Novemberkind“ (Schwochow), die mit einer wirklich eigenen Stimme SPRECHEN und sich nicht in der Publikumsquälerei der Stummheit ergehen, im Wettbewerb einer Berlinale? Filme, die in der Lage wären, tatsächlich Aufmerksamkeit zu generieren, auch international. Ja, es gibt mit Sicherheit solche Filme jedes Jahr wieder, nur werden sie offensichtlich totgeschwiegen. Und wieso treibt man mit Hilfe des bürgerlichen Feuilletons der Süddeutschen und der Frankfurter Rundschau, sowie dem Förderwahnsinn Regisseure wie eben jenen Christian Schwochow in die Arme solcher öden und brechend klischeehaften Fernsehproduktionen wie „Der Turm“? Schwochow macht jetzt mal „Tatort“, wie man hört, prima, sehr schön, wieder einer weniger im Kino. Und wieder mehr Platz für Filme der ‚Berliner Schule‘, aber ich verweigere mich ab jetzt einem Kino, dessen höchstes Glück zu sein scheint, mich nicht zu respektieren.