DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich ….. Das Sterben der TV-Saurier 2013 (Teil 2)

von danielanderson1502

6.    Siegfried Rauch als Traumschiff – Kapitän (ZDF). Alle Mann von Bord! Der Ausruf bei Seenot focht Siegfried Rauch nicht an. Wie es sich für einen Kapitän gehört,  wollte er bis zum Schluss bleiben. Jetzt überlebt die Serie eine der Hauptfiguren. Rauch stand 14 Jahre mit immer schlechter sitzendem Gebiss und  dabei noch vollem, weißen Haupthaar auf der Brücke und beim obligatorischen Kapitänsdinner seinen Mann – eine nicht anzuzweifelnde Autorität. Neben unzähligen Szenen, in denen er als Stichwortgeber seiner mehr oder minder prominennten Spielpartner fungierte, durfte er auch ab und zu Weisheiten absondern wie: „Fremde Welten muss man kennenlernen, dann sind sie einem nicht mehr fremd.“ Immerhin gelang ihm das so gut, dass man geflissentlich darüber hinweghören konnte. Mit nunmehr 81 Jahren geht der Mann endlich das letzte Mal die Gangway runter, wohlverdient. Die Handbreit Wasser unterm Kiel braucht er nicht mehr. Die Rolle übernehmen wird ein alter Bekannter – Sascha Hehn, der sich vom Chefstewart durch Traumschiffabstinenz und einen intelligenten, wenn auch wenig erfolgreichen Ausflug ins Satirefach zum neuen Kapitän hochgearbeitet hat.

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Das Traumschiff  (Foto: TV-Spielfilm)

5.    Stuckrad-Barre (Tele 5). Der Sender wollte, eigenen Aussagen nach eine „Intelligenzoffensive“ starten und warb BvSB vom ZDF ab. Zumindest hat man es bei Tele 5 geschafft, ein neues Oxymoron zu kreieren – Tele 5 / Intelligenz. Nur die wollte keiner der Zuschauer. Dem Publikum, das dem Sender huldigt, war es offensichtlich zu intelligent und den anderen nicht intelligent genug. Und, mal ehrlich, wer will schon einen kettenrauchenden Narziß, der sich gebärdet, als lägen die Tsunamis der Pubertät noch lange nicht hinter ihm, 45 Minuten ertragen müssen? Seine illustren Gäste – Politiker der zweiten und dritten Reihe – wurden zu komisch anmutend sollenden, dabei aber immer nur albernen Spielchen gezwungen. Bei alldem blieb Stuckrad-Barre immer der Fixstern des halbintellektuellen Universums, alles um ihn herum wurde zur Staffage für seine Selbstdarstellung. Stuckrad-Barre hat das (Tele 5)-Gebäude verlassen. Fortan wird der Mensch beim rbb sein Unwesen treiben.

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Stuckrad-Barre  (Foto: Screenshot ZDF Mediathek von JosFritz)

4.    Glööckler – Glanz und Gloria (VOX). Dazu ist nicht mehr zu sagen, als dass dazu nicht mehr zu sagen ist.

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(Foto: VOX)

3.    Jörg Pilawa (ZDF). Dieses näselnde dummschwätzende und leicht mit jedem Schulhofprinzen zu verwechselnde Frisurmodel hat es geschafft, dass der Herrscher des Lerchenberges in Mainz sauer wurde. Diese Tatsache ist besonders bemerkenswert, weil man eigentlich beim ZDF nicht rausfliegen kann, egal, was man für Blödsinn anstellt – es sei denn, man ist das Bauernopfer einer gescheiterten Sendung. Davon kann aber hier nicht die Rede sein. Pilawa wurde, das muss man sich mal vorstellen, 2002 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Na gut, das wurden mediale Scheißhaufen wie „Raus aus den Schulden“ (RTL) auch, zählt also nicht besonders. Pilawas Auftreten als nett-burschikoses, aber harmloses Schwiegersohnderivat garantierte besonders in der Zielgruppe ‚weiblich, 40+‘ hohe Einschaltquoten, egal, um welches Quiz es sich handelte. Das Ablesen der Fragen von Kärtchen oder Telepromptern beherrschte er immerhin so gut, dass man ihm nichts anderes mehr zutraute. Daneben beschäftigt sich Pilawa mit dem Verleih und Verkauf von Autos, kaufte sich von den sechsstelligen Gagen eine kanadische Insel, die man von ihm mieten kann und betreibt eine ‚Herrenbudike‘ in Hamburg. Jetzt also wieder der Wechsel zur ARD. Vielleicht haben da die Kärtchen eine andere Farbe oder sollte sich sein Traum von einem eigenen Format mit Anspruch doch noch erfüllen? Bitte nicht!

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(Foto: ZDF)

2.    Mitten im Leben (RTL) – eine der (Groß-)Mütter aller Scripted-Reality-Formate. Das verschwinden dieses Hundehaufens ist eine Befreiung wie die 1945 vom GröFaZ. Fast möchte man auf die Knie fallen und wem-auch-immer danken, dass der faschistoide, populistische, vor Blödheit und Stumpfsinn strotzende Zynismus im Orkus der Fernsehgeschichte runtergespült worden ist. Wären da nicht die noch schlimmeren Klone „Verdachtsfälle“, „Familien im Brennpunkt“ und ähnlicher Sondermüll, der fröhlich weiter den Äther verpesten darf. Auch hier werden ohne Bedenken und von keinerlei Schamgefühl getrübt, Menschen zum moralischen Schafott geführt und der abgeschlagene Kopf der ‚Masse Mensch‘ wie eine Trophäe präsentiert. Dass die ‚Sendung‘ teilweise Einschaltquoten von 30% erreichte, ist für jeden, der ernsthaft und mit Bewußtheit in dem Medium arbeitet, zu tiefst deprimierend. Setz dem Zuschauer Scheiße vor und er wird irgendwann nur noch Scheiße fressen wollen. Diese Machwerke mit radebrechenden, der deutschen Sprache ohnmächtig gegenübstehenden und zumeist bildungsfernen Honks sind wie ein Virus, der seinen Wirt langsam auffrisst. Offensichtlich ist es jetzt soweit. Die Programmpolitik, die die Privatsender mit den billig und anspruchslos runtergekurbelten ‚Pornos ohne Titten und Muschis‘ verfolgt hat, beginnt sich zu rächen. Hochgelobte US-Serien wie „House of Cards“ bei Sat.1 floppen, denn nach jahrelanger medialer Gülledusche empfinden offenbar die Zuschauer Qualität als das Gegenteil. Man hat sich genau den Zuschauer herangezüchtet, den man haben wollte. Jetzt hat man den Salat, wie meine Oma sel. gesagt haben würde. Schließlich lebt man nicht von Cobras allein, sondern man muss sich das leisten können und die Kohle mit anderen Geschichtchen – und seien es eben stinkende Kotzstrahls – einspielen.

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(Foto: RTL)

1.    „Zwei bei Kallwass / Kalwass greift ein“ – Angelika Kalwass und „Britt“ – Britt Hagedorn (Sat.1). Mit dem Schließen dieser beiden Klärgruben des deutschen Fernsehens hat Sat.1 ein wirklich gutes Werk getan. Aber der Sender verdient sich dadurch bestimmt keine Heiligsprechung, denn er hat sie ja auch ausgehoben. Diese Formate waren an Stumpfsinn und Menschenverachtung kaum zu überbieten. Seit  in den 90er Jahren das Crack des ‚Dayly-Talk‘ mit Ilona Christen und Hans Mieser der Unterhosenjournalismus in das Privatfernsehen diffundierte, wurde das ‚Schrei-TeVau‘ immer absurder und zeitweise konnte man das Gefühl haben, irgendwo, an einem streng geheimen Platz in Deustchland gibt es eine, dem ‚Lebensborn‘ der Nazis vergleichbare Einrichtung zur Züchtung der idealen Darstellungsmarionette. Und nebenan werden die Moderatoren dafür geklont.

Betrachtet man sich die Biographien von Angelika Kalwass und Britt Hagedorn erscheint es tatsächlich als Rätsel, wie zwei studierte (ich will nicht sagen: intelligente) Frauen sich als Hanswürste auf dem Zynismusgrill des Privatfernsehns haben gut durchbraten und zum Gespött der noch klar denkenden Restfernsehnation haben machen lassen. Ja, ja, das liebe Geld, natürlich.

Britt Hagedorn zumindest bleibt dem medialen Kot treu und wechselt zu HSE24. Was Angelika Kalwass machen wird, ist unbekannt. Wahrscheinlich hat sie mit dem 12 Jahre andauernden Exkrementieren genug verdient.

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(Foto: Sat.1)

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(Foto:  Sat. 1/ Willi Weber)