DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich …. die nervigsten Menschen der Welt (1).

von danielanderson1502

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir begegnen immer wieder Leute, die fürchterlich auf den Nerven anderer herumtrampeln. Sie tun das meistens nicht mit Absicht, man möchte fast ausrufen: „Die sind eben so.“ Dann fällt mir der Spruch meiner Großmutter ein, die immer behauptet hat, dass man ab einem bestimmten Alter für sein Gesicht selbst verantwortlich ist. Man hat einfach nicht mehr das Recht seine vermurkste Kindheit und Jugend, seine Eltern, das Wetter, den Kommunismus, den ungeliebten Beruf, die letzte Paarbeziehung, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN oder sonstige Katastrophen für die eigenen Widerwärtigkeiten verantwortlich zu machen.

 

Die Liste beginnt mit den stets gnadenlos gut gelaunten Moderatoren von Morgensendungen im Radio. Unfassbar, dass die Angehörigen dieser Rasse sich nicht entblöden einen dümmlichen Kalauer nach dem anderen zu reißen und sich gegenseitig mit Anzüglichkeiten vollzusabbern, als wäre der Hörer ein zahlender Voyeurist, dem man etwas für sein Geld bieten müsste. Sie denken sich für ihr jämmerliches Dasein bescheuerte Namen aus, wie z.B. „Arno und die Morgencrew“ bei RTL in Berlin. In dieser Mischung aus Bildungsferne und Bauernfängerei, bei der ein gewisser „Cäpt’n Montana“ die Verkehrsnachrichten in die Welt brüllt, wie ein Ochse, der bei lebendigem Leib am Spieß gebraten wird, finden sich dann Selbstbeschreibungen wie: „Katja – unsere feierfreudige Ex-Sauerländerin, Ex-Germanistin & Ex-pertin für alle Lebenslagen, kann vieles ein bisschen und nix richtig….“ Treffer – versenkt.

 

Und, da wir gerade beim Radio sind. Mindestens ebenso schlimm sind die Leute, die uns Tag für Tag die Ohren mit nichtssagenden Antworten auf nichtssagende Fragen vollblubbern. Da werden Straßenumfragen zum Skiunfall von Michael Schumacher veranstaltet und angebliche Neuchirurgen entlassen in schlechtem Deutsch widerliche Allgemeinplätze in die Welt: „Da werden jetzt die Narkose mittel langsam mal runtergefahren.“ Sorry, gehts noch? Über die Eröffnung des nächsten Konsumtempels in Berlin – den wirklich keiner mehr braucht – äußert sich ein Berliner Busfahrer mit „Herz und Schnauze“ mit den Worten: „Fahr ick jeden Tach dran vorbei.“ Na und? Muss ich damit belästigt werden? Ein holländischer Tourist, von einer Reporterin nach dem Frühlingswetter befragt, antwortet: „Die Sonne haben wir ja auch in Amsterdam.“ Ach was? Hätte ich gar nicht vermutet, dass die da die selbe  Sonne haben. Abschalten und alle verantwortlichen, jung-dynamisch-hippen Redakteure, deren Hobby es zu sein scheint, ihrer Misanthropie mit solchem Schwachsinn zur Gestaltwerdung zu verhelfen,  dazu verurteilen, sich ihr eigenes Programm als Dauerschleife anhören zu müssen – und zwar während ihres Jahresurlaubs. Das Klappern des losen Schutzblechs an meinem Fahrrad ist um Längen unterhaltsamer.

 

Ähnliche Sumpfblüten an Unausstehlichkeit bringen bayrische Polizisten hervor. In München („Weltstadt mit Herz“, „In Bayern daheim, in der Welt zu Hause“) wurde ich im Jahre es Herrn 2011 innerhalb von drei Monaten vier Mal von derselben Streifenwagenbesatzung angehalten. Mein Einverständnis zu einem Alkoholtest holte man stets in diesem gemütlich-lustigen Dialekt ein („Sanns mit a Alkholkontrolln eiverstandn“). Ich konnte beim ersten Mal nur an dem hingehaltenen Röhrchen erkennen, was man von mir wollte. Beim zweiten Mal wurde ich bereits mit dem drolligen Ausruf „Ah mei, Sie scho widder“ begrüßt. Alle Kontrollen gingen übrigens immer nach 23.00 Uhr in der Deisenhofenerstraße in Giesing über die Bühne, wenn ich, nur noch nach einem Bett verlangend, nach 14 Stunden Arbeitswahnsinn auf dem Heimweg war. Warndreieck und Warnweste mussten vorgewiesen werden, die Funktion der Blinker und des Bremslichtes wurden überprüft und tatsächlich wurde jedes Mal festgestellt, dass das Ablaufdatum des Verbandskastens noch längst nicht erreicht ist, da August 2014 noch in weiter Zukunft liegen müsse. Beim dritten Mal nannte ich den Beamten das Ablaufdatum des Verbandskastens von selbst, woraufhin mich strafende Blicke trafen: „Jo, dös kann ja a jeder soagn.“ Ja, ja, die Berliner, die Saupreißn, die japanischen, denken, sie könnten einfach so hier in unserem schönen Bayern bei Nacht umanander fahren, wie es ihnen gerade passt. Als ich allerdings bei der vierten Kontrolle den Vorschlag machte, ob ich nicht eine Zehnerkarte wie im Schwimmbad oder auf der Eislaufbahn erwerben könnte, wurde es ernst. Das, so erklärte ich, würde mir die halbstündige Befragung, woher ich käme und wohin ich wolle ersparen und das restliche Procedere erheblich verkürzen, da das Ablaufdatum des Verbandskastens sich innerhalb der letzten zwei Wochen nicht geändert haben konnte. Jetzt wurde man dann aber mal ungemütlich: „Net frech wern hier!“ Man zeigte mir die Instrumente wie weiland im Mittelalter, indem man mir mit einer Anzeige wegen Beamtenbeleidigung drohte.

 

Apropos ‚Frechwerden‘ – auch eine Kategorie von Leuten, deren Hobby es zu sein scheint, die Länge des Geduldsfadens ihrer Mitmenschen nachmessen zu wollen, sind diejenigen, die an Engpässen des öffentlichen Raums unvermittelt stehenbleiben. Man sieht sich um oder beginnt hemmungslos etwas in den Taschen zu suchen oder beginnt zu telefonieren. Vorzugsweise passiert das am Ende von stark frequentierten Rolltreppen oder am Ausgang eines Flughafens. Da wird dann zusätzlich noch hemmungslos geknutscht, geherzt oder sich männlich-lässig umarmt. Versucht man die Blockierer freundlich, dabei aber nachdrücklich aufzufordern, sich doch bitte wieder in Bewegung zu setzen, bekommt man auch schon mal die Offerte von physischer Gewalt. Oder eine Verbalinjurie: „Halts Maul, du Sackgesicht.“ Unbedingt gehören in diese Reihe aber auch mindestens 80% aller Radfahrer. Speziell in Berlin, Köln und München kommt man schnell zu der Vermutung, dass das Fahrrad – ein unbedingt fortschrittliches, nachhaltiges und in jeder Hinsicht gesundes Fortbewegungsmittel – eigentlich als eine Waffe zur Unterjochung von Fußgängern, Autofahrern und anderen Radfahrern erfunden wurde. Das grüne Gewissen scheint der Mehrzahl der Radfahrern eine bestimmte Legitimation zu geben, sich allen gegenüber, die sich nicht so fortbewegen oder eben doch wie sie selbst, als Arschloch zu outen. (siehe auch: DAS LEBEN ALS MENSCH. Neulich …. beim Gassigehen.) In der 30er Zone meiner Wohngegend fing sich das Dach meines Autos eine kleidsame Delle ein, weil ich 30 km/h fuhr, der Radfahrer hinter mir sich von meinem Tempo belästigt fühlte und mit der Faust gegen das Blech hieb: „Geht’s noch langsamer, Umweltsau.“

 

Es ist zwar ein Klischee, aber trotzdem ist es wahr und man begegnet ihm immer noch. Eigentlich könnte man glauben, so langsam sollte es mal genug sein mit den ‚Latte Macchiato Müttern‘. In den sogenannten ‚angesagten Bezirken‘ der Reichshauptstadt scheint es jedoch eine Art Aufzuchtanstalten dafür zu geben. Sehr beliebt ist der Kollwitzplatz im Berliner Stadtbezirk ‚Prenzlauer Berg‘ bzw. die umliegenden Cafés. Jeder Alleinegast, vorzugsweise männlichen Geschlechts, der die Dreistigkeit besitzt, aufs Klo gehen zu wollen, muss erstmal Barrikaden von Luxuskinderwagen und Bobbycars überwinden. Legt man darüber hinaus noch die Unverschämtheit an den Tag, eines dieser Gefährte zu berühren, um sich einen Weg zu bahnen, bekommt man schon mal ein Sagrotan-Feuchttuchpäckchen unter die Nase gehalten: „So, jetzt putzte mal schön die Stelle, wo du mit deinen Wichsgriffeln angefasst hast.“ Auf meine Frage, ob ich das nicht machen könnte, nachdem ich mich erleichtert habe, weil ich erstens, wirklich dringend pinkeln muss und zweitens, es sich ja danach erst wirklich lohnen würde, wurde zunächst nur von Wutblitzen aus schmalen Schlitzen hinter der Armani-Brillenfassung beantwortet. Als ich aber dann noch erklärte, dass meine Hände ja schließlich nach dem Toilettengang mit den richtig widerlichen Bakterien meiner Unterwäsche verseucht wären, sah ich mich einer Phalanx aus Jakobinerinnen gegenüber. So muss sich Danton vor dem Revolutionstribunal gefühlt haben. Ehe ich öffentlich quillotiniert werden konnte, gab ich mein Vorhaben auf, zahlte, suchte das Weite und einen anderen Ort für das, was getan werden musste.

 

Ähnlich furchterregend sind die Nervtöter, die vom Mantel völliger Anonymität umhüllt werden. Das mag daran liegen, dass man diesen Zeitgenossen unter keinen Umständen mitteilen kann, wie nervtötend sie sind. Beispielsweise würde ich die Menschen in Behörden gerne kennen lernen, denen es immer wieder einfällt, von drei möglichen, nebeneinander liegenden Eingangstüren, mindestens zwei abzusperren, also für Besucher unpassierbar zu machen. Manchmal sind auch alle Türen zu und ein möglichst kleines, möglichst unleserliches Schild verkündet: „Eingang um die Ecke.“ Wieso? Warum muss man durch einen schmalen Seiteneingang in das Gebäude, wenn der Architekt doch mehrere, großzügige Flügeltüren hat einbauen lassen und diese Türen von Steuergeldern bezahlt wurden? Hat sich irgendwem schon mal der Sinn solcher Maßnahme erschlossen? (wird fortgesetzt)