DAS LEBEN ALS MENSCH: Neulich …. die nervigsten Menschen der Welt (2)

von danielanderson1502

Kennen Sie dieses wunderbare Couplet von Pigor und Eichhorn „Kleine dicke Fraun“? Weil keine Beschreibung dieser Kategorie der ‚Nervigsten Menschen der Welt‘ in diesem wunderbaren, politisch so ganz und gar nicht korrekten Text dem Original das Wasser reichen kann, sollte man sich unbedingt hier mal das Vergnügen geben:

http://www.pigor.de/getCmsData.php?id=151&category=hoeren

Mein eigener Bedarf an Erfahrungen mit ‚Kleinen dicken Fraun‘ ist für den Rest meines Lebens jedenfalls gedeckt – die Narbe einer Platzwunde unter meiner linken Augenbraue kündet bis zu meinem Ableben von der handfesten Begegnung mit einem derartigen Exemplar. In einem hoffnungslos überfüllten ICE versuchte ich mich zum euphemistisch genannten Bordbistro durchzuschlagen. Mir entgegen kam eine dieser ‚kleinen dicken Fraun‘ und wir begegneten uns an einer Automatiktür, die zwei Wagen voneinander trennt. Ich wollte, das gebietet mir meine anerzogene Höflichkeit und der Respekt vor dem Alter und der Gebrechlichkeit, Platz machen. Aber mir folgten noch mehrere andere Reisende und mein Vorhaben war daher mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Das Exemplar der ‚kleinen dicken Fraun‘ schlug, plötzlich ganz und gar nicht mehr gebrechlich, unvermittelt und hemmungslos mit dem als Entenschnabel geformten Knauf ihres Gehstocks auf mich ein. Ich blutete wie Sylvester Stallone in „Rocky 7“ und fiel auf einen Mitreisenden, der sich so erschrak, dass er sein Handy auf den Boden fallen lies, wo es sein Dasein aushauchte. Der entstehende Tumult rief das Zugpersonal auf den Plan. Ich wurde notdürftig verarztet und die ‚kleine dicke Frau‘ unter ihrem lautstarken Protest, der von wüsten Beschimpfungen auf mich flankiert wurde, im Dienstabteil festgesetzt. Die Bahnpolizei nötigte uns, am nächsten Halt auszusteigen, mich, weil ich ins Krankenhaus gefahren wurde, sie, um ihre Personalien aufzunehmen. Das hatte der Entenschnabel dem Zugbegleiter verweigert, ihn stattdessen als „Faschist“, „dreckiges Arschloch“ und „Hundesohn“ bezeichnet. Mein Cut wurde sauber getackert und schon nach sechs Stunden konnte ich meine Reise fortsetzen. Der Rechtsanwalt, der für mich Schadensersatz und Schmerzensgeld einklagte, teilte mir nach neun Monaten mit, dass ich mit circa 900 Mark rechnen könnte, von denen er jedoch 753,87 Mark als Honorar zu bekommen hätte. Alles in allem ein wirkliches Vergnügen.

Wer kennt sie nicht – die selbsternannten Ordnungshüter, deren Lebensinhalt darin besteht, kleinste Übertretungen der öffentlichen Ordnung, oder was sie dafür halten, möglichst lautstark zu kommentieren oder ihre Ansicht von der Welt mit Hilfe von Ordnungsamt und Polizei durchzusetzen. Dabei ziehen sie sich in Windeseile eine Polizeiuniform über die Seele und werden zu Rettern der Zivilisation. Sie verfolgen Hundehalter und kontrollieren, ob auch die Haufen ordnungsgemäß entfernt werden, beschimpfen Rotgänger an Ampeln, drohen mit Anzeigen, wenn man den Müll nicht nach Vorschrift trennt und notieren akribisch kleinere Parkverstöße, um einem dann die säuberlich abgeschriebene Liste unter der Wohnungstür durchzuschieben. Da werden mit Zollstöcken oder Maßband die Abstände zwischen einem Tisch vor dem Haus und der Bordsteinkante nachgemessen oder wie weit das Heck eines Wagens über das Parkverbotsschild hinausragt. Mein Nachbar mit Migrationshintergrund, Mahmud, der schon des Öfteren in diesem Blog aufgetaucht ist, findet es in Deutschland noch „relaltiv harmlosig, der Türkenpack in Türkei ist schlimmerer“ (sic!). Aber gerade ihn, der oft deutscher als deutsch ist, traf die Paranoia einer dieser Blockwartseelen mit voller Wucht, als er es einmal wagte, für seine zahlreichen Cousins und Cousinen ein aufblasbares Planschbecken in unserm Hof aufzustellen. Laut Hausordnung ist das nämlich verboten und da der Streit lautstark und mit zunehmender Dauer auch mit recht unschönen Worten geführt wurde, endete die Angelegenheit vor einem Schiedsgericht.

Ich selbst erlebte diesen Wahnsinn, als ich einige Zeit in der schönen Stadt Augsburg lebte, die immerhin einen der bedeutendsten Dramatiker deutscher Zunge hervorgebracht hat. Am Tag meines Einzugs in das Mietshaus klingelte der Pensionär aus dem Erdgeschoß um 22.25 Uhr an meiner Wohnungstür im vierten Stock. Der Mann war gehbehindert und hatte sich unter Aufbietung aller Kräfte zu mir nach oben geschleppt.

ER (sich schnaufend auf seinen Gehstock stützend): „Sie müssen Ihre Rollos runterlassen.“

ICH (freundlich): „Ihnen auch einen guten Abend.“

ER (harsch): „Ihre Rollos.“

ICH (sehr freundlich): „Was ist damit?“

ER (trotzig): „Die müssen Sie runterlassen.“

ICH (unwissend): „Warum?“

ER (belehrend): „Ab 22.00 Uhr ist Nachruhe.“

ICH (konsterniert): „Aber ich will noch gar nicht schlafen.“

ER (streng): „Aber die Nachtruhe.“

ICH (schwer von Begriff): „Was hat das mit meinen Rollos zu tun?“

ER (offiziell): „Laut Hausordnung müssen mit Beginn der Nachtruhe die Rollos vor den Fenster geschlossen werden.“

ICH (höflich): „Wollen Sie nicht kurz reinkommen?“

ER (bestimmt): „Ich will, dass Sie sofort Ihre Rollos herunterlassen.“

ICH (überfreundlich): „Hören Sie, ich verstehe den Sinn dahinter nicht. Ob ich nun die Rollos jetzt schließe, oder später macht doch keinen Unterschied.“

ER (fassungslos): „Das Geräusch stört die Nachruhe.“

ICH (endlich verstehend und demzufolge zum Einlenken bereit und belustigt): „Ach so, okay, wissen Sie was? Ich verspreche Ihnen hiermit, dass ich die Rollos einfach nicht schließen werde. Einverstanden?“

ER (mit sich ausbreitenden Flecken hochgradiger Erregung im Gesicht): „Wie sieht das denn von außen aus? Wir sind ein ordentliches Haus.“

ICH (sprachlos): ………..

Zwei Tage später erreichte mich ein Schreiben der Hausverwaltung, in dem mir mitgeteilt wurde, dass die Hausordnung Bestandteil des Mietvertrages sei und, falls ich nicht Absicht hätte, mich daran zu halten, „dies zu einer fristlosen Kündigung von Seiten des Vermieters berechtigt.“

 

(wird fortgesetzt)